Wenn es um die Bekämpfung von Infektionen geht, ist häufig von Antibiotika und Desinfektionsmitteln die Rede. Beide werden bei Mensch und Tier eingesetzt, um Infektionen zu vermeiden oder bereits vorhandene Erkrankungen zu bekämpfen. Aber wo genau liegt eigentlich der Unterschied in der Wirkungsweise?

Antibiotika: Als Antibiotika werden Medikamente bezeichnet, die gegen bakterielle Infektionen wirken. Sie unterscheiden sich damit von Präparaten, die gegen Viren, Pilze, Protozoen oder größere Parasiten wie Würmer wirken sollen. Dabei nutzen sie die Unterschiede aus, die zwischen den Zellen von Prokaryoten, zu denen Bakterien zählen, und Eukaryoten, zu denen alle Wirbeltiere zählen, bestehen. Diese können zum Beispiel die An- oder Abwesenheit bestimmter Proteine, Unterschiede in den Zellorganellen, den Zellwänden oder der Vermehrung betreffen. Daher ist die Wirkung eines Antibiotikums sehr spezifisch und oft nur für bestimmte Bakteriengruppen ideal.

Desinfektionsmittel: Bei Desinfektionsmitteln handelt es sich um eine heterogene Gruppe mit sehr vielen unterschiedlichen Stoffen. Gemeinsam haben sie, dass sie hemmend oder sogar zerstörend auf Keime verschiedener Art – also oft auch Pilze und Viren – wirken. Dieses breite Wirkspektrum wird erreicht, weil Desinfektionsmittel sehr grundlegend in die Funktionen von lebenden Zellen eingreifen. Ein Beispiel sind stark oxidierend wirkende Substanzen wie Wasserstoffperoxid. Solche Mechanismen sind zumeist für alle Zellen schädlich. Allerdings sind menschliche Zellen durch physikalische und chemische Barrieren, wie Hornhautschicht und natürlicher Säuremantel, deutlich besser geschützt. Zudem ist der Verlust weniger Zellen aufgrund der Größe unseres Organismus normalerweise völlig unproblematisch – anders als bei Einzellern.

Resistenzen: Ein zunehmend wichtiges Thema ist die Ausbildung von Resistenzen. Diese entstehen, wenn bei der Bekämpfung eines Bakterienstammes einzelne, mutierte Bakterien überleben und sich weitervermehren. In der Folge zeigt das betreffende Medikament keine Wirkung mehr gegen diese spezielle Bakteriengruppe – oft betrifft diese Resistenz sogar weitere Präparate mit ähnlichen Wirkungsmechanismen. Das Problem wird verschärft, wenn Antibiotika großflächig, beispielsweise präventiv in der Landwirtschaft, eingesetzt werden. Neue Studien zeigen jedoch auch, dass Krankenhausabwasser eine ernsthafte Gefahr darstellt. Hier finden sich sowohl große Mengen Antibiotika als auch resistente Keime, die so in das allgemeine Abwassersystem gelangen.
Interessant ist, dass auch Resistenzen gegen Desinfektionsmittel entstehen können. Insgesamt wurde das lange als unwahrscheinlich erachtet, da deren Wirkmechanismen allgemeiner und gewissermaßen brachialer sind als die von Antibiotika. In den letzten Jahren konnte jedoch gezeigt werden, dass einige Bakterienarten sich selbst an diese Effekte anpassen und den Desinfektionsmitteln widerstehen können. In Zukunft könnte dies ein gefährlicher Faktor bei der Bekämpfung von Keimen werden. Daher ist der massenhafte Einsatz von Desinfektion in der Wirtschaft und Privathaushalten kritisch zu betrachten.