Hartnäckig hält sich bei vielen die Ansicht, dass Kaffee, zumindest wenn zu viel davon getrunken würde, ungesund sei. Dies reflektiert oftmals nicht die eigene Erfahrung wider, sondern ist Ergebnis zumeist älterer Studien, die sich fest in den Köpfen der Menschen verankert haben. Neuere Untersuchungen zur Verträglichkeit von Kaffee können das Verträglichkeits­problem aber nicht bestätigen und kommen sogar zu dem gegenteiligen Schluss, dass moderater Kaffee­konsum gesundheitsfördernd sei. Wie ist es möglich, dass ein täglich millionenfach getrunkenes Getränk ein so gegensätzliches Image hat? Eine Erklärung liegt in den Studien selbst, die durchgeführt wurden, um die gesundheitlichen Auswirkungen von Kaffee zu überprüfen.

Ergebnisse von Beobachtungsstudien zu Kaffee können in die Irre führen
Aussagen über die Wirkungen von Lebensmitteln oder Genussmitteln auf die Gesundheit des Menschen werden in der Regel aus beobachtenden Studien gewonnen. Dabei werden Veränderungen bestimmter Parameter, also zum Beispiel der Blutdruck, mit der täglich verzehrten Menge Kaffee oder anderer Lebensmittel korreliert. Wenn der in der Studie beobachtete Mensch nur Kaffee trinken und sonst nichts verzehren würde, wäre das Ergebnis der Beobachtung tatsächlich auch mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Verzehr von Kaffee zurückzuführen. Diese Situation entspricht aber nicht dem realen Leben. Die Probanden in Beobachtungsstudien essen, trinken, rauchen, treiben Sport oder sind Couchpotatoes wie es ihrem persönlichen Lebensstil entspricht. Jedenfalls sind die beobachteten gesundheitlichen Veränderungen nicht ohne weiteres auf den Konsum von Kaffee zurückzuführen, sondern das Ergebnis des Lebensstils eines jeden Einzelnen.

Um Aussagen über einzelne Parameter treffen zu können, müssen mit aufwendigen statistischen Methoden Einflussgrößen, wie z.B. Rauchen rechnerisch eliminiert werden. Das ist in älteren Studien nicht immer passiert. Da besonders in früheren Jahren viele Probanden mit hohem Kaffeekonsum gleichzeitig auch rauchten, sagen die Studienergebnisse solcher Studien eher etwas über die Wirkung von Zigarettenrauch als über Kaffee aus. Neue Studien dagegen fokussieren statistisch auf die Wirkung von Kaffee und rechnen andere Einflussgrößen wie Zigarettenrauch oder Bewegungsmangel raus.

Diese Studien kommen zu dem Schluss, dass ein moderater Kaffeekonsum eher die Gesundheit fördert als ihr schadet. Wobei zu klären ist, wie viele Tassen einem „moderatem Kaffeekonsum” entsprechen. Diese Abschätzung orientiert sich an dem bekanntesten Inhaltsstoff von Kaffee, dem Stimulanz Koffein, das in extrem hohen Dosen, die allerdings durch den Verzehr von Kaffee nie erreicht werden können, für den Menschen auch tödlich sein kann. Jedenfalls gelten etwa 400 mg reines Koffein täglich als unbedenklich. Bei 80-90mg Koffein pro Becher Filterkaffee, kommen etwa 4-5
Becher pro Tag heraus, die für einen gesunden Erwachsenen nicht nur unbedenklich sind, sondern auch gesund sein können. Diese grobe Abschätzung wird durch entsprechende Studien wissenschaftlich bestätigt. Sie zeigen, dass der tägliche Konsum von 1 bis 5 Tassen Kaffee in Studien mit Nichtrauchern oder solchen, deren Ergebnisse um den Einfluss des Rauchens und ungesunder Lebensweise korrigiert wurden, zu einer Absenkung des Sterberisikos führt. Das sind gute Nachrichten für Kaffeeliebhaber, die das Image des Kaffees aufbessern könnten.